Geschichtliches

Das Landarmenhaus von Lützelbuch

Seit dem 1.August 1873 bestand im Herzogtum Sachsen-Coburg das Landarmenhaus Lützelbuch.

Das "Gesetz über den Unterstützungswohnsitz vom 6. Juni 1870" des Norddeutschen Bundes, das durch die Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871 mit Ausnahme von Bayern zum Reichsgesetz geworden war, hatte die Anstalt notwendig gemacht. Denn es hatte die neu zu bildenden Landarmenverbände zur Unterstützung derjenigen Hilfsbedürftigen verpflichtet, für die "endgültig" kein Ortsarmenverband (der eine oder mehrere Gemeinden umfassen sollte) aufkommen müsse. Um der gesetzlichen Auflage zu entsprechen, erwarb das. Staatsministerium mit Zustimmung der Landesvertretung die Gebäude und einige Grundstücke des ehemaligen Domänengutes Lützelbuch, für die Errichtung des gesetzlich geforderten Landarmenhauses. Der übrige Domänengrund diente zur Verbesserung der Besitzverhältnisse der Einwohner von Lützelbuch.

Die Anstalt leitete ein "Hausmeister", der zugleich der Kassierer der Armenhauskasse war. Ein Beamter des Landratsamtes Coburg hatte als Armenhausinspektor etwa alle 14 Tage zu kontrollieren, Beschwerden zu untersuchen und, soweit veranlaßt, über aufsässige Pfleglinge Ordnungsstrafen zu verhängen. Die oberste Aufsicht lag beim Staatsministerium, das auch die Einweisung vornahm.

... Die zumeist nicht voll belegte Anstalt war für rund 50 Pfleglinge (27 männliche und 23 weibliche) eingerichtet.

... Soweit die Armenhäusler noch voll arbeitsfähig waren, setzte man sie in der Landwirtschaft ein. Die übrigen konnten zum Holzmachen, Strohflechten, Tütenkleben und zu Schuhmacherarbeiten oder zum Nähen, Stricken, Waschen und zum Melken herangezogen werden. Die Pfleglinge unterlagen einer strengen Hausordnung. Ausgang war nur für einen zeitlich eng begrenzten Urlaub möglich. Auf Widersetzlichkeiten stand im Extremfall mehrtägiger Arrest.

... Das Landarmenhaus hatte außer seiner eigentlichen Aufgabe die Funktionen eines Alten-und Pflegeheimes zu erfüllen, (wobei die Leistungen nicht nach heutigen Maßstäben beurteilt werden dürfen) sowie die einer Anstalt für geistig und körperlich Behinderte. Alte und Kranke oder sonst Hilfsbedürftige waren ausschließlich auf die Pflege ihrer Mitinsassen angewiesen. Es lag sicher nicht allein daran, sondern auch an einer Reihe anderer Gründe, daß ein großer Prozentsatz der Eingewiesenen schon nach wenigen Monaten starb.

Auszug aus dem Aufsatz von Rainer Harnbrecht "Blätter zur Geschichte des Coburger Landes" 20. Jahrgang, 4191

Seit 1923 besteht auf diesem Gelände nun das Alten- und Pflegeheim Lützelbuch, dessen Träger das evang.-Iuth. Diakoniewerk Neuendettelsau ist. Am 9. Oktober 1986 war die Grundsteinlegung für die neue Pflegeabteilung, deren Bau 1988 fertiggestellt wurde. 1992 wurde das "obere Haus" (Baujahr 1932) aufgrund der schlechten Bausubstanz abgerissen. Zur Zeit befinden sich die Arbeiten für einen weiteren Neubau in vollem Gange.

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